"Baustelle" Hund - Vom Umgang und Leben (lernen) mit einem "gebrauchten" Hund.
Vom Umgang und Leben (lernen) mit einem "gebrauchten" Hund.

 
 
 


Der Hund ist ein soziales Wesen. Seine Lernfähigkeit erleichtert ihm die Integration in die Gemeinschaft.
  Basis für eine harmonische Kommunikation ist dabei die Kenntnis seiner Grundverhaltensweisen.
  
(aus: Mein Hund macht was er will von Gerd Ludwig)


Verhalten (in) der Gesellschaft

Als Paketzustellerin handhabte ich es wie Viele in der Warenverteilung, dass ich zwar auch immer mal eine Hand voll Futterstücke in der Tasche hatte, aber nicht um mich grundsätzlich "lieb Kind" zu machen, sondern um etwaig misstrauische Felle davon zu überzeugen, dass wenn ich bzw. überhaupt ein Transporter angefahren kommt, Hund nicht automatisch (zusätzlichen) Stress schieben muss.

Ich versuchte damit, den Status des Störenfrieds in etwas Positives zu verwandeln, um selbst immer wieder aus so manch heiklen Moment der Paketzustellung heil heraus zu kommen. - Immer, gelang mir das nicht...

Natürlich gab es auch Modelle unter meinen Kundenhunden, an denen ich im freundschaftlichen, amüsanten Rahmen gar nicht erst vorbei oder wieder weg kam, ohne "Wegezoll" in Form eines Futterstücks, sehr oft auch in Kombination mit Streicheleinheiten und kurzes Rumalbern, erbracht zu haben.

Nichts desto trotz: selbstverständlich frug ich immer vorab, ob ich darf und erklärte, dass ich keine 08/15-Leckerchen dabei hatte, welche nur aus Zucker und künstlichen Zusatzstoffen bestehen, sondern es sich um hochwertiges, meist sensitives Hundefutter handelte.

Anders rum haben natürlich auch Hundehalter und -führer Rücksicht auf die Gesellschaft zu nehmen.

Neben der Belästigung durch ständiges Hundegebell, weil der Hund unter Dauerstresse steht, es nie gelernt hat, auch mal alleine sein zu können oder seine(n) Mensch(en) auf diese Art am einfachsten im Griff hat, ist das wohl bekannteste und auch gerechtfertigste Streitthema: Beseitigung von Hundehaufen.

Es ist echt nicht schwer oder "erniedrigend" und man bricht sich auch wirklich überhaupt keinen Zacken aus der imaginären Krone, wenn man Plastikbeutel mit sich trägt und die Hinterlassenschaft seines (anvertrauten) Hundes wie selbstverständlich beseitigt.

Wer als Hundehalter bzw. -führer in und von der Gesellschaft anerkannt werden möchte, muss einfach in "Vorleistung" gehen und damit zeigen: Hier, schaut her! Ja, ich liebe mein Hobby Hund, aber ich habe auch dafür Verständnis, dass es nicht Jedermanns Sache ist und demnach verhalte ich mich entsprechend, indem a) mein Tier sozialkompetent erzogen und geführt wird sowie b) die naturbedingten "Begleiterscheinungen" beseitigt werden.

Dass man schnell in einen Topf mit den 08/15-Hundehaltern bzw. -führern geworfen werden kann, erfuhr ich selbst, etwa ein halbes Jahr nach Einzug in unsere derzeitige Wohnung: ich ging mit Gino entlang der Felder spazieren, als uns eine ältere Dame mit Pudel entgegen kam, welche uns aber überhaupt nicht (nicht mal oberflächlich) zurück grüßte, geschweige denn per Blick zur Kenntnis nahm.

Wenige Wochen später begegnete ich ihr innerhalb des Dorfes und wir kamen ins Gespräch. Hierbei stellte sich heraus, dass sie uns mit "all den Anderen" gleichgestellt hatte. Sie war der Meinung, wir seien wieder nur Auswärtige, die um den Ort spazieren gingen und den Kot liegen lassen würden.

Als ich hierauf eine Rolle Plastikbeutel aus der Jackentasche zog und freundlich, verständnisvoll meinte: "Das kann Ihnen mit uns nicht passieren." war sie äußerst positiv überrascht. Seitdem pflegen nicht nur wir eine angenehme, nachbarschaftliche Beziehung - der "Dorffunk" ist intakt. ;-)

Es sind nicht immer "die Anderen", von denen man den ersten Schritt erwarten darf. Wie man in den Wald reinschreit, so schallt es heraus heißt es so schön ... und treffend.
 

 

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