"Baustelle" Hund - Vom Umgang und Leben (lernen) mit einem "gebrauchten" Hund.
Vom Umgang und Leben (lernen) mit einem "gebrauchten" Hund.

 
 

































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Die Erziehung nimmt eine wichtige Rolle für den verantwortungsbewussten Hundehalter ein.
Um den Hund erfolgreich zu erziehen, ist es wichtig, zu verstehen, wie der Hund die Welt wahrnimmt.

(aus: Sprich mit deinem Hund von David Alderton)


Sam

war eine Erfahrung für sich.

Nicht nur oder zwingend, weil seine Mischung mindestens eine starke, anspruchsvolle Hunderasse beinhaltete, sondern auch aufgrund der Vorkommnisse und Erlebnisse, denen wir wenige Monate nach Aufnahme von Sam seitens der übergebenden, privaten "Tierschützerin" ausgesetzt waren, nachdem es mir auf schockierende Weise gelang, ihr tatsächliches Ich zu enttarnen und sie sich seitdem unter falschem Namen (zumindest im Internet) bewegt.

Dackel (evtl. ist Sam auch ein Basset fauve de Bretagne-Mix) gelten allgemein als "stur" und "schwierig", dabei sind sie eigentlich nur das, was der Mensch in Jahrzehnte langer, selektiver Züchtung aus ihnen gemacht hat: selbstständig.

Dass ein Charakterhund wie ein Dackel (vor allem als Welpe mit dem typischen "Niedlichkeitsfaktor") nicht unterschätzt werden darf, zeigt Sam's - angebliche - Geschichte sehr deutlich:

Im Alter von ca. 9 Monaten, so richtig schön mitten in der Flegelzeit, wurde er wegen "Überforderung" erst aus dem Haus geschmissen und als man die Besitzer nach seinem Auffinden mit ihm konfrontierte, mit dem Wunsch nach Einschläfern dem Tierarzt überlassen. Etwa ein Jahr lebte er zur Vermittlung in einer - angeblichen - Tierherberge unter deutscher Führung in Spanien, bis er schließlich zu mir kam.

Viele "Tierschützer" hören und lesen es nicht gerne, aber ein Hund dessen Ursprung eine Nutzlinie ist, hat m.M.n. primär Nichts in einem "einfach liebevollen Zuhause" zu suchen, sondern sollte nach Möglichkeit dort untergebracht werden, wo man ihm seinem Naturell entsprechend gerecht werden kann!! - Viel zu viele ("gerettete") Hüte-, Treib-, Jagd- und Herdenschutzpfoten werden als optimale Familienhunde deklariert und fristen schließlich ein Leben, das ebenso voll mit unsinniger Aufmerksamkeit ist, wie mit Unterforderung.

Bei Sam bot sich eine Jagdausbildung an, wofür ich mit ihm an einem privat organisierten Eignungstest teilnehmen durfte. Charakterlich erhielt er Bestnoten, fiel jedoch mangels Schussfestigkeit leider durch.

Die Suche nach einem neuem Zuhause gestaltete sich daraufhin sehr schwierig, denn so ziemlich alle Interessenten hatten mindestens einen gravierenden Haken:

- Entweder hatten sie viel Zeit, weil sie sich aufgrund von Krebserkrankungen in verschiedenen Stadien in Frührente befanden;
- Ihr Herz zwar "total an Sam verloren", weil er sie (im aktuellen Alter von 60+) an den Dackel ihrer Kindheit erinnerte, aber eigentlich keine fundierte
  Hundeerfahrung besaßen;
- Oder aber, man wollte "Sam einfach nur haben, weil er soooo süß aussah".

Wie, man muss sich mit ihm ausgiebig beschäftigen? Ihm Aufgaben geben? Man kann ihn nicht sofort und gleich frei laufen lassen? Das klingt dann doch Alles zu anstrengend!

Dies und bereits erwähnte Widrigkeiten, die einem zu Teil werden können, bietet man möchte-gern-(Auslands-)Tierschützern seine Unterstützung an, taten ihr Übriges, dass Sam als bei mir gestrandet betrachtet werden konnte.

- Ein Hund, der aufgrund seiner Erlebnisse im Ursprungsland nicht der Förderung seiner natürlichen Bestimmung zugeführt werden konnte.
- Eine "Tierschützerin", die weder vor psychischer, noch physischer Gewalt an Mensch und Tier zurückschreckt, sobald ihre nette Fassade zum Einsturz gebracht wird,
- 08/15-Interessenten, weil einfach nur Hunde (Sam) liebend, aber nicht Hunde verständig.
- "Nette" Nachbarn, die persönlichen Groll damit rächen, engagierte Hundeleute bzgl. der Hundesteuer anzuschwärzen und dadurch in
  finanziellen Engpass geraten lassen.

Nun galt es, das Beste aus der Gesamtsituation zu machen und vor allem Sam niemals spüren zu lassen oder zu verstehen geben, im Grunde genommen eine "ungeplante Belastung" zu sein.

Was Auslastung durch Nasen- und Kopfarbeit anging, zählt Sam zu einem besonderen Kaliber, wodurch ich "gezwungen" war, in einen weiteren Bereich der Hundewelt tiefer einzutauchen: Spiel & Spaß mit und für den Hund.

Sehr viele Menschen (mit oder ohne eigenem Hund) stellen sich das Zusammenleben, zeitgleiche Führen und Bedienen der individuellen Bedürfnisse jeden einzelnen Vierbeiners sowie das Bewältigen des alltäglichen Lebens sehr einfach vor, wodurch sie nicht selten dem Wahn- und Irrsinn verfallen, "ihrem Vorbild" nachzueifern. - Hierbei spielt es selten eine Rolle, ob das "Vorbild" persönlich gut oder nur vom Sehen bekannt ist: Was dort funktioniert, klappt doch sicher auch bei mir!

Bei Sam dauerte es ca. 5 Monate, bis er draußen anfing, sich ansatzweise an mir zu orientieren und Augenkontakt aufzunehmen, wenn wir bpsw. an eine Kreuzung im Wald kamen und er (an der Roll-Leine) wissen wollte, wo es weiter lang ging?

Nach etwa 7 Monaten konnte ich es schon wagen, ihn zumindest von der Wohnungstür zum Auto ohne Leine gehen zu lassen, weil er es gelernt hatte: wenn wir zum Auto gehen, kommt (meist) was Interessantes, also: (erst mal) keine Mätzchen, sondern einsteigen!

Möchte man von einem Hund - von einem Charaktermodell im Besonderen - Aufmerksamkeit, muss man sich zuerst sein Vertrauen verdienen, um ihm auch vermitteln zu können: Ich weiß wirklich, wie und wo es lang geht und kann dich somit sicher durch's Leben führen! Du kannst dich wirklich auf mich verlassen!

Um das Herz, den Kopf und die Seele eines Dackels für sich zu gewinnen, bedarf es viel Erfahrung, Nerven wie Drahtseile, einen verdammt langen Atem und Zeitbudget! Ein Dackel braucht prinzipiell erst mal Nichts und Niemanden. Die Luft zum Atmen macht er sich selbst, das Wetter gestaltet er nach Belieben und ob es nun hell oder dunkel ist, bestimmt er ebenfalls. ;o)

Nachdem ich trotz bestem Willen immer wieder an meine persönlichen Grenzen gelangte (zeitlich, nervlich, finanziell), nahm ich die Suche nach einem neuen Zuhause für Sam wieder auf und was soll ich sagen ... Es scheint wirklich für Alles seine Zeit zu geben. ... Und Schicksal und Fügung sind nicht einfach nur Worte.

In einem Anfall von erneuter Verzweiflung und ohne jemals persönlich damit zu tun gehabt habend, schrieb ich eine bekannte Hundeschule mit der Frage / Bitte um Unterstützung an, welche ich tatsächlich einige Tage später erhielt. Für meinen Schützling fand sich nach etwas mehr als einem Jahr ein neues Zuhause.
 

 

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