"Baustelle" Hund - Vom Umgang und Leben (lernen) mit einem "gebrauchten" Hund.
Vom Umgang und Leben (lernen) mit einem "gebrauchten" Hund.

 
 



 


Wir sind Primaten und kuscheln mit einem Caniden. Hier prallen Welten aufeinander. Hunde fühlen sich beklommen, wenn sie umarmt werden.
Der Schoß ist nicht ihr Lieblingsplatz und küssen wollen sie schon gar nicht, denn Nase an Nase steht man bei Hunden nur zum Zweck der Drohung.
(aus: Von der Straße auf die Couch von Nina Taphorn)


Achtung: "Tiersch(m)utz"

Dass meine kritische Haltung ggü dem (Auslands)Tierschutz nicht ganz ungerechtfertigt und haltlos sowie dass es höchste Zeit ist, dies auch anderen (Tier)Menschen versuchen klar zu machen, bekam ich durch das kürzlich erworbene Buch
Hunde aus dem Ausland, Expertenwissen für Hundeprofis 1 bestätigt. - Selten hat mich ein Buch bereits im Vorwort derart für sich gewonnen, wie dieses.

Es geht nicht darum, dass Tiere vor Schaden geschützt, ggf. auch gerettet werden (müssen), sondern um das Warum? und Wie? und Durch wen?.

Nicht jede(r) streunend erscheinende Hund oder Katze ist gleich ein Fall für den "Tierschutz", muss "gerettet" und in das "sichere" Deutschland gebracht werden. Selbiges gilt natürlich auch für andere, stark tierschutzambitionierte Länder wie bspw. Österreich, die Schweiz und Frankreich.

Auch stammt das angeblich am Straßenrand oder in einer Baugrube gefundene Tier nicht selten aus einer Vermehrungszucht und wird lediglich als "Notfall" ausgegeben, weil es sich - warum auch immer - nicht gewinnbringend verkaufen lässt. Ein sog. "No name-Produkt" eines eigentlichen "Markenherstellers".

"Tierschutz" ist zudem eine ganz eigene, kleine Welt für sich, denn in kaum einer anderen Gesellschaft prallen Tag ein, Tag aus derart viele verschiedene, menschliche Charaktere aufeinander, die angeblich alle das gleiche Ziel verfolgen, sodass man nicht lange warten muss, um ihn hautnah miterleben zu dürfen: den Zirkus der Eitelkeiten.

Statt Tierschutz im Ausland vor Ort in Form von Aufklärungsaktionen, Sensibilisierung der Bevölkerung, Kastrationsaktionen und Vermittlung zu betreiben, wird Alles eingesammelt und nach Deutschland gekarrt, was bei 3 weder auf einem Baum noch im Boden verschwunden ist. - Problemverlagerung ist nun mal bequemer und einfacher zu realisieren.

Leider lassen sich immer wieder viele, tierliebe, hilfsbereite (naive?) Menschen von diversen "Tierschutzorganisationen" blenden: trotz einem ach so traurigen Schicksal, das jedes Tierschutztier (angeblich) hinter sich hat, ist es doch erstaunlich, dass bspw. gut 90% der vorgestellten Hunde als menschenbezogen, freundlich, lieb, nett, sozialverträglich, umgänglich, zutraulich, gehorsam, dankbar etc. pp. beschrieben werden und "einfach nur" ein liebevolles Zuhause suchen.

Einfach nur ein liebevolles, sicheres Zuhause bieten? Kein Problem, das kann doch jeder! Aber was ist mit dem Rest: Wissen, Verstand, Verhalten, artgerechte / rassespezifische Führung, Zukunftsdenken, finanzielle Sicherheit?

Zusätzlich scheinen einige "Tierschutzorganisationen" genauso wie potentielle Interessenten keinen gesteigerten Wert darauf zu legen, (sich) über bestimmte Rasse(mix)eigenschaften zu informieren. Dass man sich bspw. mit einem Galgo oder Podenco eine ausländische Jagdhundrasse ins Haus holt; das sind nicht einfach nur "ganz liebe und leichtführige Familienhunde".

Der Mensch macht sich ja auch im eigenen Land, in der eigenen Stadt, keine besonderen Gedanken, wenn man sich bspw. einen Australian Shepard, Beagle, Dackel, Jack Russell oder ein stattliches Herdenschutzhundmodell "einbildet".

Ich beschäftige mich nun schon einige Jahre thematisch wie auch aktiv als Privatperson mit Tierschutz und allem, was dazu gehört (oder auch nicht), aber ich weiß immer noch nicht, ob ich den millionenfachen (organisierten) Bemühungen mit Respekt begegnen, müde darüber lächeln, bei soviel blindem, unwissendem Fanatismus den Kopf schütteln oder mich einfach nur wortlos umdrehen und gehen soll?!

Das Bringen in ein vermeintlich besseres Leben bedeutet nicht, dass dies auch zwangsläufig erreicht wird. Nicht selten werden die ach so geschundenen, teilweise auch ungerechtfertigt "geretteten" Tiere an einfach nur tierliebe Plätze gegeben, wo sie einer neuen Art von negativem Stress ausgesetzt sind, weil kein wirkliches Wissen und tiefer gehendes Verständnis vorhanden ist. - Einfach nur tierlieb sein, reicht nun mal nicht (immer)!

Wüsste ich bspw. nicht, mit völlig unterschiedlichen Hundecharaktere zu kommunizieren und sie bestmöglich art- sowie rasse(mix)gerecht zu beschäftigen, bekäme ich es binnen kürzester Zeit mit total unterforderten, chronisch schlecht gelaunten, weil sich unverstanden fühlende Felle zu tun, die mir den reinsten Horror in die Bude bringen würden.

Bei aller Kritik: ich habe leider auch - noch - keinen Masterplan in der Tasche, ob und wie dieses ganze Dilemma um Tierschicksale eingedämmt werden kann. Und selbst, wenn ich ihn hätte: Würde man mir überhaupt zuhören? Würde er ohne einen Hauch von den ständigen Besserwisser-Diskussionen angenommen?

Ein bundeseinheitlicher, im Optimalfall sogar ein europaweiter Sachkunde- und Haltungsnachweis für alle Haustierarten wäre schon eine Lösung, aber wie um- und durchsetzen?

Deshalb wird es weiterhin an jedem Einzelnem liegen, das Leben und Wohlergehen von Tieren zu gestalten und man kann nur hoffen, dass sich die Menschheit nicht auf ihrer 08/15-Tierliebe ausruht, sondern auch freiwillig Sachverstand aneignet.


Zum Thema Auslands-Tiersch(m)utz bitte auch meinem Blogeintrag Beachtung schenken.
 


Achtung: "Tiersch(m)utz" hatte die Ehre, in der Vereinszeitschrift Belgier Blick 2/2013 des Hundezuchtvereins Belgische Schäferhunde Berlin e.V. zu erscheinen. *freu*
 

 

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