… und herzlich Willkommen, auf den neuen Seiten von „Baustelle“ Hund.


Mit einem Straßenhund schreiben Sie Ihr eigenes Buch. Im Spannungsfeld von Erwartung und Überraschung, Nähe und Distanz, Erlernen neuer Fähigkeiten und Verharren in unauslöschlichen Prägungen nähern Sie sich dem Wesen von einem fremden Planeten an.
(aus: Von der Straße auf die Couch von Nina Taphorn)


Treffender als Nina Taphorn in ihrem Buch Von der Straße auf die Couch – Streuner aus dem Süden als Familienhunde kann man es nicht beschreiben, vor welchen Herausforderungen und manchmal auch Schwierigkeiten man im Zusammenleben mit einem „gebrauchten“ Hund stehen kann.

„Baustelle“ Hund konzentriert sich auf die Pfote von der Straße mit einem oft unbekanntem Vorleben, die im In- oder aus dem Ausland in neue Zuhause vermittelt werden. Viele Aussagen können aber genauso gut auf jeden anderen Hund übertragen werden, der nicht von Welpenbeinen an artgemäß in einem Haushalt aufwächst und dort bis an sein Lebensende rasse(mix)gerecht gefordert sowie gefördert wird.

„Baustelle“ Hund möchte mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen nicht nur eine kleine (Entscheidungs)Hilfe geben, ob man der Aufgabe tatsächlich gewachsen ist, sondern auch naiven Tiermenschen versuchen die Augen zu öffnen, dass jede Menge Liebe, ein kuscheliger Schlafplatz, ein immer voller Futternapf sowie ständige Streicheleinheiten allein nicht ausreichen, einem „Second hand-Hund“ ein neues, stabiles und vor allem seinen wahren Bedürfnissen gerecht werdendes Zuhause zu geben.

Vor allem ein Hund mit weniger schöner Vorgeschichte, sofern sie denn bekannt ist oder sich im Verhalten des Tieres annähernd vermuten lässt, gehört weder in blutige Anfängerhände noch in die von Tierfreunden, die es „nur gut meinen“, weil ihnen der Hund „so leid“ tut.

Das man bezüglich „wirklich rettungsbedürftigen“ Hunden (und anderen Tierarten) nicht zwingend mit dem Finger ins Ausland zeigen und mit dem Transporter dann einsammeln, um sie nach Deutschland zu karren, werde ich Euch auf den nächsten Seiten unbeschönigt vor Augen führen.

Bei meinem ersten Hund, Mitte der 1990er Jahren, verkackte ich auf ganzer Linie. Zu wissen, an welchem Ende beim Hund was ist und ihn zur allgemeinen Freundlichkeit erziehen, reicht nun mal nicht, Hand-in-Pfote seine Lebenszeit miteinander verbringen zu dürfen.

Mein zweiter Gino war – genau genommen – zwar auch ein Straßenhund, allerdings hatte ich (oder er? oder wir beide?) das Glück, dass er ein zivilisiertes Leben schon kennen lernen konnte, bevor er zu mir kam und wir deshalb nicht annähernd vor den Problemen standen, wie sie oft nach Übernahme von „gebrauchten“ (Auslands)Hunden beschrieben werden. Die einzigen Probleme, die wir hatten, waren auf meinem Mist gewachsen, weil ich mich anfangs für wissend genug hielt.

Mit Panda endete das süße Leben, welches Gino und ich bis dahin führten: neben einem lebensfrohen, wagemutigen Terriermix für den die ganze Welt sein Freund war, hatte ich es ab sofort auch mit einem Straßenmodell zu tun, das aufgrund seiner zurückliegenden Erfahrungen Schiss vor Jedem und Alles hatte und sich auch weitestgehend von Artgenossen fern hielt.

Obwohl ich mich annähernd darauf einstellte, was mit einem aufgeweckten Charakterhund wie Sam auf mich zukommen könnte, stieß ich immer wieder recht nah an meine persönliche Grenzen, wodurch ich mich ständig neu orientieren musste und regelmäßig auf dem Zahnfleisch lief.

Meike und Sancho nehmen jeweile eine besondere Stellung meines Hunde-Lebens ein.

Sechs völlig unterschiedliche Hundecharaktere (mit entsprechend individueller Herkunft und Vorgeschichte) streckenweise zeitgleich unter einen Hut zu bringen oder in den bestehenden Alltag gerecht mit einzubauen, bedarf weitaus mehr Wissen und Know-how als: Hund bellt – Katze miaut, um canider Aufmerksamkeit und somit der Rolle als Gruppenführer würdig zu sein.

Wie sehr menschliche Selbstüberschätzung und Überheblichkeit oft nach hinten los geht, wird einem bewusst, wenn man seinen caniden Meister gefunden hat, sich durch all die unzähligen Vermittlungsanzeigen wühlt oder vor der eigenen Haustür umsieht. Den Vogel schlechthin schießen schließlich die Tiersch(m)ützer ab, die vor lauter „retten müssen“ jeden Bezug zur menschlichen wie tierischen Realität verloren haben. – Und hierbei spielt es absolut keine Rolle, um welche Tierart es sich handelt!

„Baustelle“ Hund möchte sensibilisieren und dazu auffordern, sich nicht einfach nur ein Tier anzuschaffen, weil einem gerade danach ist, das Lebewesen einem leid tut oder die Gelegenheit im Moment günstig erscheint, sondern sich auch mit der entsprechend tier- sowie rassegerechten Haltung zu befassen.

„Baustelle“ Hund  möchte dazu anhalten, statt sich kopflos ins nächste „Rettungsabenteuer“ zu stürzen, weit über den Napfrand zu sehen, um neue Perspektiven kennen zu lernen und wünscht viel Spaß sowie eine interessante Zeit auf den folgenden Seiten.